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LJUBOV BELYCH: MIT NIVEAU UND BODENSTÄNDIGKEIT
Ljubov Belych gehört zu jener Generation russischer Künstler, die sich in den 80er Jahren entfaltet haben. Russland lebte damals von neuen Hoffnungen, von der Suche nach Freiheit und neuen Lebensinhalten. Viele junge Künstler rebellierten damals gegen die alten akademischen Regeln, um eine neue Kunst zu schaffen. Ljubov Belych ist aber keine Rebellin und war auch nie eine. Sie entwickelte konsequent ihre Persönlichkeit als Malerin, die mit jedem Bild die sie umgebende Welt auf ihre eigene Art festhält. Als ihre Vorbilder sieht sie Klassiker der letzten Jahrhunderte an und möchte ihre Tradition zeitgerecht weiter tragen. 1988 wurde Ljubov Belych Mitglied des Allrussischen Malerverbandes, 1996 zeichnete man sie mit einem Diplom der Russischen Akademie der Künste aus. 2002 fand ihre letzte Ausstellung in Russland statt. Ihre Bilder sind in vielen Galerien, Museen und privaten Sammlungen vertreten. Ljubov Belych wurde 1961 in die Familie der bekannten Kunstmaler Alexej Pavlovitsch und Nadeshda Alexandrovna Belych geboren. Seit ihrer Kindheit hat Ljubov eine ausgeprägte Begabung zum Zeichnen gezeigt, darum durfte sie die Moskauer Schule für künstlerisch begabte Kinder und danach die St.-Petersburger Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur besuchen. Diese berühmte St.-Petersburger Hochschule trug den Namen des großen russischen Malers Ilja Repin nicht umsonst: Die besten Künstler der sowjetischen und postsowjetischen Zeit unterrichteten dort. Besonders dankbar blieb Ljubov Belych ihrem strengen und sehr anspruchsvollen Lehrer A. Mylnikov, verdienter Volkskünstler der UdSSR. Nach dem Abschluss der Kunsthochschule studierte Ljubov Belych weiter, indem sie Kurse der prominenten Volkskünstler A. und S. Tkatschev an der Akademie der Künste besuchte und mit anderen Malern Erfahrungen austauschte. Talent war ihr von Geburt an gegeben, Erfolg in ihrem Schaffen aber hat sie ihrer beharrlichen und fleißigen Arbeit zu verdanken. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung und Entfaltung ihrer künstlerischen Persönlichkeit hat natürlich ihre Familie gespielt. Sie wuchs in einer künstlerisch hochstehenden Atmosphäre auf, aber der Einfluss der Eltern war klug und einfühlsam. Ihr Vater, Volkskünstler der UdSSR war selbst ein anspruchsvoller Kunstlehrer. Er hat seiner Tochter aber nie seine Vorstellungen oder Meinungen aufgedrängt, sondern sorgte nur dafür, dass sie ihren eigenen Weg in der Kunst finden konnte. Mutter Nadeshda schuf eine Atmosphärevoller von Vertrauen und Liebe in der Familie, was die spätere Lebenshaltung und das ganze Werk von Ljubov Belych bestimmte. Kein Zufall, dass viele ihrer Bilder die Eltern und andere Familienmitglieder oder Bekannte darstellen. Die Bilder von Ljubov Belych zeigen all das, was dem Menschen das Leben wertvoll macht. Die Malerin begrüßt voller Freude die sie umgebende Natur, sie genießt ihre ursprüngliche Schönheit. Auch der Mensch wird bei ihr als Teil der Natur dargestellt und dies schon in ihren frühen Arbeiten. Anfang der 80er Jahre stellte Ljubov Belych ihre Bilder zum erstenmal öffentlich aus. "Der Morgen", "Die junge Mutter", "Abend an der Wolga" und andere riefen ein reges Interesse der Kritiker hervor. Man Schrieb von ihrem "bemerkenswert feinen Strich, Reinheit und Fragilität der Malerei, frei jeglicher Versuche, die Wirklichkeit zu verschönen oder sich den Wunschvorstelllungen des Publikums anzupassen". So war es damals und so bleibt es bei Ljubov Belych auch heute noch. Wie jeder Maler, suchte auch sie nach ihrer eigenen Ausdrucksweise, nach eigenen Hauptthemen und -Personen. Besonders oft malt Ljubov Belych ihre Schwester Vera und deren Kinder. Diese Kinderbilder sind natürlich und anmutig und jedes Bild aus dieser Reihe erinnert jeden an die so ruhige und glückselige Zeit seiner Kindheit. Dem gleichen Thema begegnen wir auch in den Bildern "Die Brüder", "Der Maler am Werk", "Die Ufer meiner Kindheit". Die helle und fröhliche Welt der Kindheit kommt hier frei und uneingeschränkt zum Ausdruck. Der schöpferische Geist der elterlichen Familie findet hier seine Verkörperung als Symbol der Menschlichkeit und Liebe, was umso weniger verwundert, wenn man weiß, dass der Vorname der Malerin, Ljubov, Liebe bedeutet. Kinder schenken der Malerin immer wieder neue Anregungen. Sie liebt Kinder und malt sie so, wie sie sind, sei es der lustige, ausgelassene Junge Krill Kolupajev oder die selbstbewusste und konzentrierte Katharina von Arnim. Und noch ein Thema erscheint der Malerin besonders wichtig: Die Mutterschaft. Ljubov Belych hat diesem Thema eine ganze Reihe von Bildern gewidmet. Diese Bilder strahlen Liebe und Zärtlichkeit aus. Wie bei den Künstlern der Renaissance wird diese irdische Lebenssituation auch bei dieser modernen Malerin zu einem Symbol des Erhabenen. Dieses Thema wiederholt sich auch in einem der letzten und erfolgreichen Bilder von Ljubov Belych, das ganz einfach betitelt ist: "Mutter und Kind". Der impressionistische Eindruck des Augenblicks vereint sich hier mit der Verherrlichung der Mutterliebe der Renaissance. Seit 1996 lebt Ljubov Belych zusammen mit ihrem Ehemann in München. In ihren Werken dieser letzten Jahre lassen sich Einflüsse der berühmten Italiener aus dem 15. und 16. Jahrhundert erkennen, die sie von jung auf fasziniert hatten und die sie hier noch näher kennen lernen konnte. Den Höhepunkt dieser Schaffensperiode der Malerin bildet ohne Zweifel die "Verkündigung", ein Doppelbild von Maria und Verkündigungsengel. Glücklich und gesegnet fühlt sich Maria auf dem Gemälde von Ljubov Belych, und auch darin lässt sich die Verehrung und die Anbetung erkennen, die italienischen Künstler der Frührenaissance empfanden. Auch in Deutschland malt Ljubov Belych weiter im russisch realistischen Stil. Das westeuropäische Kulturgut hat sie aber inzwischen auch beeinflusst. Ihr neues Triptychon, "Kreuzigung", weist darauf hin, dass die Malerin sowohl in der russischen als auch der europäischen Malkunst zu Hause ist. Ljubov Belych sucht nicht nach Themen. Sie malt Landschaften, Portraits oder Stilleben, wie es ihr liegt und jedes Bild spiegelt die erhabene russische Seele wider.
Tatiana Suchareva Kunstforscherin stv. Direktorin des Museums für Bildende Künste, Kostroma 2002
 
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